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Geschichtliches über Rolex 04 Aug 2021 13:42 #9408

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Guten Morgen @ all User. 

Der heutige Hersteller hat Geschichte, und was für eine...... mit vielen Geheimnissen, die keine mehr sind. Hier und jetzt möchte ich nur bei der Entstehungs-Geschichte bleiben, die nicht Allen bekannt sein dürften. Jeder der sich nur ein bißchen mit Armbanduhren beschäftigt kennt diesen Hersteller, und kaum ein Hersteller ist so bekannt wie dieser. Rolex 

Hans Eberhard Wilhelm Wilsdorf, geb. 22.03.1881 in Kulmbach, gestorben 06.07.1960 in Genf. 
Hans Wilsdorf wuchs mit seinen zwei Geschwistern Karl (* 1879) und Anna (* 1882) als Kinder in Kulmbach auf. Die Eltern Johann (1846–1893) und Anna Wilsdorf (1855–1882) betrieben am Marktplatz in Kulmbach ein Eisenwarengeschäft.In einem Internat in Coburg lernte er einen jungen Schweizer kennen, durch dessen Vermittlung er mit 19 Jahren nach La Chaux-de-Fonds kam, um dort im Uhren-Exportgeschäft von Cuno Kourten zu arbeiten.Nachdem er dort mit Erfolg Taschenuhren bei Uhrmachermeistern bestellte, diese dann nach GB exportiert hatte, beschloss er 1905, selbst ins Vereinigte Königreich auszuwandern und sich in London selbständig zu machen.
Mit seinem Schwager Alfred Davis gründete er im Jahr 1905 in London die Firma Wilsdorf & Davis. Wilsdorf & Davis importierte Schweizer Uhrwerke von Jean Aegler nach Grossbritannien, um sie dort, nach der Endfertigung als Schweitzer Uhren von Wilsdorf & Davis anzubieten. Die Wortherkunft für Rolex bis heute nicht wissenschaftlich geklärt.
Historiker und Uhrensammler sind sich in der Herkunft und Bedeutung des Namens Rolex uneins. Die vielfach kolportierte Vermutung, der Name Rolex sei ein Akronym aus den englischen Wörtern Rolling Export (dt. „rollender Export“), konnte historisch nie belegt werden.
Es gibt für die Entstehung des Markennamens keine offiziellen Quellen, das Unternehmen Rolex selber schreibt auf seiner Homepage: „Zitat: Ich (Hans Wilsdorf) versuchte, die Buchstaben des Alphabets in alle Richtungen zu kombinieren – mit dem Ergebnis, dass ich nach einiger Zeit Hunderte von Namen zur Verfügung hatte, aber mit keinem wirklich zufrieden war. Eines Morgens, ich saß gerade auf dem Oberdeck des Pferdeomnibusses, der die Cheapside in der City of London entlangfuhr, flüsterte mir ein guter Geist zu: ROLEX 

Am 2. Juli 1908 ließ Hans Wilsdorf den Markennamen  ROLEX patenrechtlich eintragen. Um die hohen Einfuhrzölle zu umgehen, verlegte Wilsdorf 1915 den kompletten Firmensitz von London nach Biel (Schweiz).

 Erst am 17. Januar 1920 konnte Wilsdorf in Genf die Firma Montres Rolex SA offiziell ins Schweizer Handelsregister eintragen lassen.Zu diesem Zeitpunkt war Wilsdorf alleiniger Inhaber und verantwortlich für die Geschäftsführung von Rolex. 1926 stellte Rolex der Öffentlichkeit die weltweit erste patentierte wasserdichte Uhr unter dem Namen Oyster vor.  

Aber, schon im Jahre 1896, am 24. Februar reicht beispielsweise der Franzose Henri Guye ein Patent für eine wasserdichte Taschenuhr ein.Die Alcide Droz Taschenuhr „Imperméable“geht sogar auf das Jahr 1884 zurück.Zeitgleich arbeitet Vacheron Constantin ebenfalls an einer wasserdichten Taschenuhr, die im Folgejahr unter der Bezeichnung „Imperator“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. 

Sei wie es sei, denn mit einem genialen Marketing-Coup 1927, der damals seinesgleichen such­te kam Rolex in aller Munde: Rolex-Besitzer Hans Wilsdorf war zu Ohren gekommen, dass die englische Stenotypistin Mercedes Gleitze als erste Frau den Ärmelkanal durchschwimmen wolle. Er packte die Gelegenheit und rüstete die junge Schwimmerin mit einer Rolex Oyster aus. Bei ihrer Ankunft nach der gelungenen Kanal­durch­schwim­mung zeigt die Uhr die richtige Zeit und wies keine Zeichen von Feuchtigkeit auf. Wilsdorf buch­te kurzerhand die Front­seite der Londoner „Daily Mail“ und zeigte ein Foto der jungen Dame.
In Uhren­ge­schäften auf der ganzen Welt wurde danach die Oyster im Schaufenster in einem Aquarium gezeigt – der Erfolg war durchschlagend.Und das, obwohl sie keine normale Rolex Oyster am Arm hatte, denn die Uhr war mit dick Fett versehen in einer Kapsel, die sie am Hals trug.

Nichts geht über gute Werbung. Einen Nachteil hatte die Uhr allerdings noch: Die geschraubte Krone musste zum Aufziehen geöffnet werden. Darum führte Rolex 1931 die Oyster Perpetual ein, eine Uhr mit automatischem Aufzug.

Aber wir wissen ja; Abraham Louis Breguet stellte 1787 einen Vorläufer des modernen Automatikwerks her. Seine Taschenuhr mit automatischem Aufzug nannte er Perpetuelle. 
1922 schuf die französische Firma Leroy die erste Armbanduhr mit Automatikwerk, angetrieben durch eine Pendelschwungmasse.Als Erfinder dieser Automatikuhr ist John Harwood bekannt, ein britischer Uhrmacher, und auch das wussten wir schon.
Seine ab 1914 entwickelte Idee mündete am 16. Oktober 1923 im Antrag eines Patens in der Schweiz, das er am 1. September 1924 erhielt. Zusammen mit Fortis oder Blancpain brachte er 1926 jeweils ein Uhrenmodell heraus. 

Die Rolex Oyster Perpetual von 1931 gilt als die erste Automatikarmbanduhr mit einseitig aufziehbarem Rotor. 

Durch Eterna wurde 1948 der seinerzeit zukunftsweisende kugelgelagerte Rotor erfunden.  

An dieser Stelle möchte ich anschließen, oder besser, ein kurzer Blick zurück werfen. 

Man kann Uhrwerke nicht aus dem Nichts herstellen, und so bekam (kaufte) Rolex Uhrwerke bei Aegler ein. Jean Aegler gründete 1878 eine Uhrenmanufaktur. Diese war ab 1881 in Biel (Schweiz) ansässig und spezialisierte sich anfangs auf kleine Damenuhren mit Ankerhemmung.

Ab ca. 1910 wurden auch sehr hochwertige Armbanduhr-Rohwerke, ebenfalls mit Ankerhemmung, gefertigt.
Als Aegler noch selbständig war, wurden Uhrwerke unter der Marke Rebberg Depose gefertigt. Rolex wurde auf Aegler aufmerksam als Hans Wilsdorf auf der Suche nach hochwertigen Werken für die Uhren seiner neuen Marke war. Zu dieser Zeit wurde die Firma bereits von Hermann Aegler geleitet.
Das Unternehmen firmierte ab 1914 als "Aegler SA, Rolex Watch Company" und wurde später einige Jahre Mitglied der Alpina Gruen Gilde SA*.Hermann Aegler wurde nach dem Kauf eines großen Rolex-Aktienblocks Mitglied des Verwaltungsrates von Rolex.Aeglers Neffe Emile Borer wurde Mitte der 1920er Jahre technischer Direktor, und als die Werbespots zwischen den beiden Firmen immer enger wurden, traf die Familie Aegler/Borer die Entscheidung, Rolex würde nur Uhrwerke von Bienne kaufen und die Fabrik in Bienne würde nur Uhrwerke an Rolex verkaufen.Diese Anordnung wurde ohne Unterbrechung und fast ausnahmslos fortgesetzt. Mit Ausnahme der Valjoux-Chronographen und die Verwendung durch Rolex modifizierte Zenith El Primero Werk beginnend mit der Daytona Ref. 16520 bis 2004. 

Herrmann Aegler bestärkte jedoch seinen langjährigen Freund und Geschäftspartner Hans Wilsdorf darin, seinen Traum von Armbanduhren für jedermann, zu erfüllen. Aegler lieferte die passenden kleinen Werke und konnte ihre Funktionsfähigkeit durch Ganggenauigkeitszeugnisse beweisen. Schon vor dem Ersten Weltkrieg versprachen sich die Partner per Handschlag, exklusiv zusammen zu arbeiten. Ein schriftlicher Vertrag für die folgende jahrzehntelange Zusammenarbeit existierte jedoch nie. 

1926 besuchte Hermann Aegler die Gruen Uhrenfabrik in Time Hill, Cincinatti. Einige Jahre war er Vize-Präsident der Alpina Gruen Gilde SA*. *  

1883 gründete Gottlieb Hauser die „Vereinigung der Schweizer Uhrmacher“ (später „Schweizerische Uhrmacher-Genossenschaft (SUG) und ab

1904 „Union Horlogère, Uhrenfabrikation und Handelsgesellschaft, Biel, Glashütte, Genf“), die sich anfangs auf den gemeinsamen Einkauf von Uhrwerken für ihre Mitglieder beschränkte. Mitglied konnte jeder in der Schweiz beheimatete Uhrmacher werden. Später wurden mit qualifizierten Herstellern eigene Uhrwerke entwickelt und der Ausbau des Vertriebsnetzes forciert.
1908 erfolgte die Eintragung des bereits seit 1901 für hochwertige Kaliber verwendeten Markennamens „Alpina“.Teilweise produzierte man Uhren bei der gemeinsam mit Rolex betriebenen Uhrenfabrik Aegler in Biel, u.a. die berühmte “Doctor’s Watch”, die es nahezu identisch sowohl von Rolex als auch von Gruen und von Alpina Gruen gab.Da die Zusammenarbeit aber nicht die erhofften Erfolge erbrachte und die politischen Verhältnisse einer europäisch-amerikanischen Zusammenarbeit entgegenstanden, wurde die Alpina Gruen Gilde SA 1935 wieder aufgelöst.

Wir erinnern uns an, das am 17. Januar 1920 Hans Wilsdorf in Genf die Firma Montres Rolex SA offiziell anmeldete, aber der Name Hans Hermann Aegler taucht in verschiedenen Patenten auf.Z.B. Patent Number: 2239668, Description: Watch Movement Balance Wheel, Inventor:Hans Hermann Aegler Assignee: Manufacture Des Montres Rolex Patent Date: Apr 29, 1941.Und, nicht vergessen, 1903 gründet gemeinsam mit dem Gehäusebauer Davis in London den Uhrengroßhandel Wilsdorf & Davis.Davis übernimmt die Gehäuseherstellung und Wilsdorf die Beschaffung hochwertiger Uhrenwerke.
Die Werke bezieht er von der im schweizerischen Biel ansässigen Firma Aegler. Hier schließt sich der Kreis, denn seit 1914 produzierte man nun Gehäuse für die Aegler-Werke, die allerdings in einem neuen Fabrikgebäude mit großem Rolex-Schriftzug untergebracht waren. 

Das Wichtigste kurz zusammen gefasst:
Um ca. 1900 ging Hans Wilsdorf nach La Chaux-de-Fonds kam, um dort im Uhren-Exportgeschäft von Cuno Kourten zu arbeiten.1905 nach England um dort mit seinem Schwager Alfred Davis die Firma Wilsdorf & Davis zu gründen. Davis.... Gehäusebauer**.Die Uhrenwerke werden von der Frima Aegler hergestellt, und heißen ab 1914 als "Aegler SA, Rolex Watch Company".1926 wird die erste patentierte wasserdichte Uhr unter dem Namen „Oyster“ (deutsch: Auster) vorgestellt. **Ca. 1940 hat Rolex die Firma Jean Aegler gekauft, und ist damit auch rein formell eine Manufaktur geworden.
Aber, und das ist kein Bashing, sondern Tatsache, ohne die Firmen Jean Aegler & Davis wäre die Firma Rolex ein Nichts.Schlau war er, der Herr Wilsdorf, b.z.w. Rolex. Er ließ Gehäuse bauen, sich mit Werken beliefern, die er später aufkaufte und reichte Patente ein.Aus keiner meiner Unterlagen geht hervor wann genau Rolex begonnen hat die Werke selbst zu bauen. Daher vermute ich, es war ein schleichender Prozess. 

Was noch wissenswert ist, ist das Felsa 692 Werk, denn das kam 1942 auf den Markt und zog beidseitig auf. Man erkennt ein Bidynator Werk immer an dem kleinen Pfeil unter dem Rotorlager, der dem Uhrmacher zeigt, wie er den Rotor entriegelt.
Was hat das mit Rolex zu tun ? Nun ja, Wilsdorf verklagte Felsa, weil er mit dem von Emile Borer konstruierten Automatikkaliber 620 NA im Jahre 1931 ein Patent auf die Rotorautomatik erhalten hatte. Die allerdings das Federhaus nur in einer Richtung aufzog. Wilsdorf musste sich von den Richtern belehren lassen, dass ein beidseitiger Aufzug etwas anderes als ein einseitiger Aufzug ist.  

Die Submariner von 1953 gilt als Urbild moderner Taucheruhren.Doch da streiten die Experten, denn als erste  echte Taucheruhr mit einseitig drehbarer Lünette gilt die ab 1953 vermarktete Fifty Fathoms von Blancpain.Dann noch schnell ein kurzer Abstecher in die Quarz-Zeit.Auch das sollte man wissen.
 

Ja, richtig gelesen: René Le Coultre.  Ist kein Zufall, René stammt aus dieser Uhren-Familie.
http://pictures.watchlounge.com/provide/R0K39bIn6hM9/800/600

 

Zu guter Letzt...

Angeregt von Ludwig Oechslin entstanden 2001 beim privaten Forschungslabor CSEM (Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique) in Neuchâtel erste Prototypen von Spiralfedern aus Silizium. Das Material eignet sich, weil es leicht, kaum von Magnetfeldern beeinflussbar sowie einfach und präzise industriell formbar ist. Allerdings reagiert es relativ stark auf Temperaturunterschiede.
Als Rolex, Patek Philippe und die Swatch Group in einer ungewöhnlichen Allianz gemeinsam die Forschung finanzierten, gelang der Durchbruch.
Der Clou dabei: Eine Schicht aus Siliziumoxid sorgt dafür, dass Temperaturschwankungen den Gang nur noch sehr wenig verändern. Das mit der Siliziumoxidschicht versehene Material nennt Patek Philippe „Silinvar“.
2006 präsentierten die Genfer die erste Uhr mit Siliziumspiralfeder; 2008 folgte ein Uhrenmodell, bei dem auch Anker und Ankerrad aus Silinvar bestanden.
Während bei Patek Philippe immer nur limitierte und teure Jahreskalender in den Genuss der neuen Technik kamen, setzt die Swatch Group mittlerweile bei allen neuen Co-Axial-Kalibern von Omega flächendeckend auf die Siliziumspiralfeder. 
2014 stellte auch Rolex mit dem Kaliber 2236  ein Uhr mit Siliziumspirale names Syloxispirale vor.
Insbesondere ihre Befestigung, ganz ohne Klebstoff, ist eine Neuheit und damit eines der fünf Patente, die die Spirale vereint. Dabei wird die Spirale flach, selbstzentriert und senkrecht an der Welle und der Unruhbrücke fixiert. Clever gemacht von Rolex. 
Gruß Bernd
Jaeger-LeCoultre = The watchmaker's watch.
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