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Meine Atmos Uhren

  • grafkrokolinsky
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Meine Atmos Uhren

20 Apr. 2024 04:30 - 20 Apr. 2024 07:24
#21238
Berichte heute von meinen zwei Atmos Uhren, von JLC Kaliber 526/V
Zuerst die Bilder davon
     
Die zwei letzten Bilder entstammen von der Fa. Heeg, die Verkauf und Revision der Atmos Uhren vornehmen. Auch meiner zwei gezeigten hier.
Im zweiten-und dritten Bild gut zu erkennen, die große mit Gas gefüllte Druckdose und die von ihr ausgehende Antriebskette zum Uhrwerk!
Nun ein Bild meiner zweiten Uhr, dazu muß ich sagen, leider läßt sich eine Spiegelung nicht vermeiden! Und die Uhr „ins rechte Licht rücken“, das würde den Atmos Uhren ganz schlecht bekommen!

 

Funktionsprinzip:
Die Antriebsenergie gewinnt die Uhr durch das Ausdehnen und Zusammenziehen der mit Chlorethan-Gas (Chlor-Acetylen Gemisch) gefüllten Druckdose.
Dieses Gemisch hat einen sehr großen Ausdehnungskoeffizienten. Die Kraftübertragung erfolgt dann über eine Kette, von der Dose ausgehend zum Räderwerk und zur Ankergabel. Und damit komme ich zum „Pendel“. Es ist ein Torsionspendel mit einer Drehschwingung (Amplitude) von 540 Grad in einer Minute, also 1 1/2 Umdrehungen. Um das Pendel besonders leicht zu gestalten, wurde es aus der Legierung Elinvar gefertigt. Das Pendel selbst hat dann am Umfang verteilt Mulden, bzw. Vertiefungen um erstens das Gewicht zu verringern, und um einen schöneren optischen Eindruck zu erwecken. Und ich kann selbst als Besitzer der Uhren sagen, es ist jedesmal ein Genuß die Reflexionen und Lichtspiegelungen zu beobachten. Wobei dies immer mit einer Schrecksekunde verbunden ist, denn am Umkehrpunkt bleibt es für ca. eine Sekunde stehen, „oh Schreck, ist die Uhr defekt“. Eine „Ölschmierung“, nur an ganz wenigen Teilen, Aufzugsfeder? Die sucht man vergebens! Die Antriebsenergie ganz gering, nur ein Grad Temperaturdifferenz reicht für zwei Tage Gehdauer, und nur wenige Staubkörnchen können sie außer Betrieb setzen, deshalb mit Glas und Türe dagegen abgesichert, auch kein Sekundenzeiger, Läutewerk und dergleichen! Die durchschnittliche Gangabweichung ca. + - 1 Minute pro Monat. Man könnte auch sagen, das fast perfekte Perpetuum Mobile!

Und jetzt komme ich zu meinen eigenen Erfahrungen:
Erstens die Uhr, bzw. das Gehäuse, nie mit blanken Fingern berühren, es werden beim Kauf Handschuhe mitgegeben, das rhodinierte Gestell würde sofort Berührungsflecken mit Korrosionsspuren hinterlassen. Die Ausrichtung und der sichere Stand ist das A und O für die Ganggenauigkeit. Marmorplatte, Kaminsims, dicke Holzplatte, unerläßlich als Standpunkt. Genaueste Ausrichtung der Uhr bzw, der Pendelspitze, mittels der in die Uhr integrierten Libelle, und selbst diese, muß auf Genauigkeit überprüft werden, (wie sich schon herausstellte)  Es ist unerläßlich, die Pendelspitze genau über den vertieften Kegel im Gehäuseboden zu zentrieren. Jegliches Abweichen vom senkrechten Lot und ungleiches zentrieren führt unweigerlich zur verminderten Genauigkeit.
Es gibt Sekunden -  Bruchteile Genauigkeitsfananatiker die eine Neuregulierung der Uhr bei der Ankunft vom Versand vornehmen, da eine Differenz des Luftdrucks von Aschaffenburg (Auslieferungsort Fa. Heeg) zu ihren Aufstellungsort besteht. Zum Beispiel Aschaffenburg 490 Hpas und München 550 Hpas! 
Ausserdem, die kleinste Beschädigung der Pendelfeder führt zu einen unkorrekten Gang des Drehpendels. Oberhalb derselben befindet sich der Transport-und Arretierhebel, der beim Transport und jeglichen Eingriff in die Uhr festzustellen ist! Der Transport der Uhr erfolgt in einer Art Tabernakel als unmittelbare Umhüllung, dann in einen speziell ausgepolsterten, und der Form der Uhr angepassten Karton. Bei Erstauslieferung (Fa. Heeg) ist dies selbstverständlich der Fall, bei einer Revision, erfolgt die Zuschickung durch Heeg, und die revisionsbedürftige Uhr dann zurück mit diesen Spezialkarton.
Deshalb: Meine persönliche und auch von Atmos Gebrauchtuhren - Käufern ausgesprochene Warnung, möglichst Finger weg von gebrauchten, geht das Gas-Luftgemisch in der Dose zu Ende, dann ist eine Reparatur nicht unter 5-600.- € notwendig, und wer weis das beim Kauf, je größer das Schnäppchen, umso größer der etwaige Reparaturaufwand! Nun noch ein Link zu einer sehr guten Beschreibung der Atmos Uhren, Historie, Konstruktion und vieles interessante mehr unter den Titel „Living on Air“, von Jean Lebet bei JLC im Eigenverlag erschienen.
www.physics.rutgers.edu/~matilsky/docume...ing_On_Air_final.pdf (Die Geschichte der Pendeluhr Atmos)
Hier noch ein Link zu einer Revision der Atmos Uhr:
uhrforum.de/threads/revision-atmos-jaege...-werk-675337.224398/
 
Gruß Paul
Letzte Änderung: 20 Apr. 2024 07:24 von grafkrokolinsky.
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